[Une du Courrier de Strasbourg du 7 juin 1814]

Paris, .

Der Friede, der zwiſchen Frankreich, Oeſtreich, Rußland England und Preußen am 30. Mav. von den bevollmächtigten Miniſtern abgeſchloßen und unterzeichnet werden, iſt folgenden Jubalts

  • Art. I. Won dieſem Tage an ſoll Friede und Freundſchaft zwiſchen S. M. dem Könige von Frankreich und Navarra, einerſeits, und S. M. dem Kaiſer von Deſtreich 2c. und ſei⸗ nen Alliirtrn anderſeits, ihren Erben und Nachfolgern, re⸗ ſpectifen Staaten und Unterthanen auf imiger beſteben. Die hohen contrahirenden Mächte werden alle ihre Sorgfalt barauf menden⸗, nicht nur unter ihnen, ſondern, in viel es von ihnen abhängt, unter allen Staaten von Europa, die gute Harmonie und das gute Vernehmen, die zu ſeinen Ruhe ſo nothwendig find, zu handhaben.
  • II. Das Königreich Frankreich behält feine ganze Grän⸗ zen, wie es ſie zur Zeit des A. Januars 1792 hatte. Es erhält überdies eine Gebietbsvergrößerung, wie ſie durch die im felgenden Artikel feſtseſeẞte Demarcatione⸗Linie beſtimmt iſt.
  • III. Auf der Seite von Belgien, von Deutſchland und von. Italien, wird die Gränze bergeſtellt, wie ſie am 1. Januar 1792 war, indem man von dem nördlichen Meere anfängt, zwiſchen Dünkirchen und Nieuport, bis an das Mittelmeer zwiſchen Cagnes und Mice, mit ſol⸗ genden Berichtigungen:
    • 1. Im Jemapes⸗Departement bleiben die Cantons Dour, Merbes⸗lesChateau, Beaumont und Chiman bey Frankreich; die Gränzlinie zieht, da mo ſie das Canton Dour berührt, zwiſchen dieſen Canton und denen von Bouſſu und Paturage, ſo wie, weiterbin, zwiſchen denen von Merbes le⸗Chatean und denen von Binch und Thuin hin.
    • 2. Im Sambre⸗ und Maas⸗De⸗ partement ſollen die Cantons Valcourt, Florennes, Beau⸗ raing und Gedinne, Frankreich zugehören; die Gränze folt, wenn ſie dieſes Departemen“ erreinht, der Linie, welche die obbeſagten Cantone von dem Jemappes⸗De⸗ partement, und von dem Reſte des Sambre⸗ und Maas⸗ Departements trennt.
    • 3. Im Moſel⸗Departement wird die neue Gränze, da wo ſie von der alten abweicht, durch eine, von perlé bis nach Fremersvorf ztebende, und durch eine, das Canton Tholen von dem Reſte des Moſel⸗De⸗ partements trennende Linie gebildet.
    • 4. Im Sarre⸗De⸗ partement bleiben die Cantone Saarbrück und Arneval ben Frankreich, ſo wie der Theil des Cantons Lebach, welcher füdlich einer längs des Bannes der Dörfer Her⸗ chenbach, Ueberhofen, Hilsbach und Hall zu ziebenden Linie gelegen iſt, indem man dieſe verſchiebenen Ortſchaften außer der franzöſiſchen Gränge läßt, bis zu dem Puncte wo die Linie, welche die Cantone Arneval und Ottweiler trennt, von Ouerſelle an(das Franfreich gebört) diejenige erreicht, welche die Cantone Arneval und Lebach trennt; die Gränze wird auf dieſer Seite durch die obbezeichnete, und hieräuf durch diejenigen gebildet, welche das Canton Arneval von dem von Bliescaſtel trennt.
    • 5. Da Landau vor dem Fahr 1792, einen iſolirten Punct in Deutſchland bildete, ſo behält Frankreich, jenſeits ſeiner Gränzen, einen Theil der Departemente Donnersberg und Niederrhein, um die Feſtung Landau und ſeinen Umfreis mit den übri⸗ gen Königreiche zu verbinden. Die neue Gränze wird, wenn man von dem Puncte ausgeht, wo, ben Oberſtein⸗ bach (weiches außerhalb der franzöſiſchen Gränze bleibt,) die Gränze zwiſchen dem Moſel⸗ und Donnersberg⸗De⸗ partement das niederrheiniſche Departement erreicht, der Einte folgen, welche die Canione Wetßenburg and Berg⸗ zabern (auf der Seite von Frankreich) von den Canto⸗ nen Pirmaſens, Dahn, und Anweiler (auf der Seite von Deutſchland) trennt, bis zum Puncte, wo dieſe Gränze, den dem Dorfe Wolmersheim, den alten Umfreis der Fe⸗ ſtung Landau berübrt. Von dieſem Umtreiſe, der ſo bleibe,


[Une du Courrier de Strasbourg du 9 juin 1814]

Paris,

Der Friede wurde am 31. May den Bewohnern von Paris feyerlichſt verkündigt. Ein großer Zug, an deſſen Spitze ſich der Hr. Baron von Chabrol, Präfect des Seine⸗Departements befand, begab ſich auf die vorzuͤglichſten Plätze der Hauptſtadt und der Herold, welcher den Wapenkoͤnig von Frankreich vorſtellte, proclamirte folgende Verkuͤndigung:

„Bewohner von Paris! Eben iſt der Friede zwiſchen Frankreich, Deſtreich, Rußland, England und Preußen geſchloſſen worden. Der Vertrag, der ihn befeſtigt, wurde am 30. May unterzeichnet. Ein ehrenvoller Friede, der auf eine dauerhafte Weiſe die Ruhe Europens und die eurige ſichert, konnte euch nur von euern Koͤnigen gegeben werden. Laſſet eure Fröhlichkeit bey der Nachricht dieſer Wohlthat laut werden; ſie ſetzt bereits einen Theil des Glücks in Wirklichkeit, das uns unter der väterlichen Regierung des Fuͤrſten erwartet, den uns die Vorſehung wiedergegeben hat.
Zeil dem Koͤnige! Zeil den Bourbenen!
Ueberall drängte ſich eine zahlloſe Volksmenge zu dem, Zuge; nie waren die Aeußerungen der oͤffentlichen Freude allgemeiner geweſen, und der Ruf es lebe der Koͤnig, es leben die Bourbonen! der unaufhörlich erſchallte, bewies, daß die Freude der Pariſer über ein ſo glückliches Ereigniß nur durch ihre Liebe zu ihrem Monarchen aufs gewogen werden konnte.

Dem Friedens⸗Tractat ſind Zuſatz⸗Artikel, die drey uͤbrigen Maͤchte betreffend, beygefuͤgt. Zuſatz⸗Artikel zum Tractat mit Rußland. dies contractanſés zont convenues de nommer imtne Da das Herzogthum Warſchau unter der Verwaltung eines proviſoriſchen Conſeils ſteht, das Rußland niedergeſetzt hat, ſeitdem dieſes Land von ſeinen Kriegsvoͤlkern beſetzt war, ſo kamen die beiden hohen contrahirenden Maͤchte uͤberein, unmittelbar eine Special⸗ Commiſſion zu ernennen, die beiderſeitig aus einer gleichen Zahl Commiſſarien beſtuͤnde, und mit allem, was die Unterſuchung, die Liquidation, und jede Berichtigung in Bezug auf die wechſelſeitigen Anſpruͤche betrifft, beauftragt waͤre. Der gegenwaͤrtige Zuſatz⸗Artikel ſoll dieſelbe Kraft und denſelben Werth haben, als ob er Wort fuͤr Wort in dem offenen Tractat von dieſem Tage eingeruͤckt ſtaͤnde ꝛc. Zuſatz⸗Artikel zum Tractat mit Großbrittannien. Art. I. Da Se. allerchriſtl. Maj. ohne Vorbehalt alle Geſinnungen Sr. brittiſchen Maj. in Bezug auf eine Art Handel theilen, welcher ſowohl gegen die Grundſaͤtze der natuͤrlichen Gerechtigkeit als gegen die Aufklaͤrung der Zeiten in denen wir leben, anſtoͤßt, ſo verpflichten ſich Hoͤchſtdieſelbe, bey dem kuͤnftigen Congreſſe alle Ihre Anſtrengungen mit denen Sr. britt. Maj. zu vereinigen, um alle Mächte der Chriſtenheit zu vermögen, den Negerhandel abzuſchaffen, damit der beſagte Händel allgemein aufhoͤre, ſo wie er definitiv und in allen Faͤllen von Seiten Frankreichs in einer Zeitfriſt von 5 Jahren aufhoͤren wird, und damit überdies wäͤhrend der Dauer die ſer Friſt keiSklavenhaͤndler, Sklaven anderswo einführen und verkaufen dürfe, als in den Colonien des Staats, zu dem er gehoͤrt. II. Die englische und französische Regierung werden unverzuͤglich Commiſſarien ernennen, um ihre wechſelſeitigen Ausgaben für den Unterhalt der KriegsGefangenen zu liquidiren, und übereinzukommen, wie ſie den Ueberſchuß zu Gunſten der einen oder andern Macht, berichtigen wollen. III. Die wechſelſeitigen Kriegs⸗Gefangenen ſind gehalten, vor ihrer Abreiſe aus dem Orte ihrer Gefangenſchaft, die Privat⸗Schulden, die ſie koͤnnten gemacht haben, zu berichtigen, oder wenigſtens eine hinreichende Buͤrgſchaft dafuͤr zu geben. IV. Es ſoll ſogleich nach der Ratification des gegenwaͤrtigen Friedens⸗Tractats der Sequeſter aufgehoben werden, welcher ſeit dem Jahr 1792 koͤnnte auf die Güter, Einkünfte, Schuldfordirungen


[Une du Courrier de Strasbourg du 12 juin 1814]

Paris,

Sortſetzung der königl. Sitzung vom 4. Junius

Nach einer Rede des Kanzlerg las der Staats⸗Miniſter Hr. Ferrand folgende tonigliche Declaration, die Confti tutions-Urkunde betreffend.

Ludwig 2c. When benen, welche Gegenwärtliges ſehen werden, meinen Sruf

Die göttliche Borſebung hat Uns, da nie, nach einer langen Abweſenheit, Uns in unſere Staaten zuruckrief, große Verbindlichkeiten aufgelegt. Der Friede war das erſte Bedürfniß Unſerer Unterthanen. Unabläßig beſchäf tigten Wir Uns damit, und dieſer, Frankreich eben ſo, wie dem übrigen Europa, nothwendige Feiede iſt unter zeichnet. Eine Conſtitutions⸗Uckunde war von dem gegen Pärtigen Zuſtande des Königreichs angelegentlich gefor dert; Wir haben ſie verſprochen und Wir machen ſie' be kannt. Wir haben in Betrachtung gezogen, daß obgleich in Frankreich die ganze Gewalt in der Perſon des Könige vereinigt iſt, unſeke Vorgänger keinen Anſtand genommen haben, die Ausübung derſelben nach dem Bedürfulß der Zeiten zu modificiren; daß auf ſolche Art die Gemeinden Ludwig dem Dicken ihre Befreyung, die Beſtätigung und Ausdehnung ihrer Rechte Ludwig dem Heiligen und Philipy dem Schönen-derdanften, dass die Ausübung der richter lichen Gewalt von Ludwig IX, Heinr. II und Cari IX eingerichtet und er wickelt worden, endlich daß Ludwig XIV faſt allen Toeilen der öffentlichen Verwaltung durch ver ſchiedene Verordnungen eine neue Geſtalt gegeben hat, deren Weisheit noch von nichts übertroſfen worden war. Nach dem Beyſpiele der Koönige, Unſerer Vorfahren, ſoll ten Wir die Wirtungen der immer fortſchreitenden Auf tiärung, die neuen Verhältniſſe, weiche dieſe Fortſchritte in die Geſellſchaft gebracht haben, die dem Geiſte ſeit einem halben Jahrhunderte eingedruckte Richtung und die dar aus entſtehenden wichtigen Verſchlimmerungen würdigen. Wir baben eingeſehen, daß dir Wunſch Unſerer Unter thanen nach einer Conſtitutions⸗Urkunde der Ausdtuck eines wahren Bedürfniſſes war; indem Wir aber dieſem Wunſche nachgaben, nahmen Wir alle Vorſichts⸗Maaß regeln, damit dieſe Urkunde Unſerer und des Volks, dem Wir, zu befehlen ſtolz ſind, würdig wäre. Weiſe Männer aus den erſten Staatscorps haben ſich mit Commiſſarien Unſets Conſells vereinigt, um an dieſem wichtigen Wecke Mzu arbeiten.

Zu gleicher Zeit, als Wir einſahen, daß eine ſreye und monafchiſche Conſtitution die Erwartung des aufgeklär ten Europa erfüllen ſollte, mußten Wir Uns auch erin nern, daß Unſere erſie Pflicht gegen Unſere Volker darin beſtund, zu ihrem eigenen Intereſſe, die Rechte und Vor rechte Unſerer Krone zu erhalten. Wir hofften, daß ihre eigene Erfahrung ſie überzeugt hätte, daß die oberſte Gewalt allein den Inſtltutionen, die ſie gründet, Kraft, Dauer und diejenige Majeſtat ben könne, womit ſie ſelbſt bekleldet iſt; daß alſo, wenn die Weisheit der Könige freywillig mit dem Wunſche dir Volker übereinſtimmt. eure Conſtitutions⸗Urkande von langer Dauer ſeyn kann;n daß aber, wenn Sewaltthätigkeit der Schwäche der Re gierung Abtretungen entreißt. Die öffentliche Freyhelt nicht weniger als der Theon ſelbſt in Gefahr iſt. Endlich haben Wir die Grundſätze der Conſtitutions⸗Urkunde in dem franzöſiſchen Character und in den ehrwürdigen Dent mälern verftoffener Jabrbrunderte auſgeſucht. Alſo ſaben